Im Jahr 1952 gründete der Alpenpionier Eduard Denzel (links im Bild auf dem damals noch geschotterten Sellajoch) den Denzel-Buchverlag. Ihm sind zahlreiche Streckenbeschreibungen zu verdanken, die er als Erster veröffentlichte (z.B. Chaberton, Sommeiller, Maira-Stura, Varaita, Tremalzo, Markinkele, Panoramica delle Vette, Mangart). Zugleich stammen Namensgebungen wie "Ligurische Grenzkammstraße" oder "Assietta-Kammstraße" aus seiner Feder. Diese Wortschöpfungen wurden später sowohl in den Sprachgebrauch als auch in Landkarten aufgenommen; teilweise finden sie sogar auf Wegweisern vorort Anwendung (im Falle der Ligurischen Grenzkammstra§e kurioserweise auch auf Piemonteser Seite).
Seit 1988 leitete Harald Denzel den Verlag; ihm sind ebenfalls viele Entdeckungen bzw. Erstpublikationen zuzuschreiben (z.B. Stol, Slowenische Grenzkammstraße, Malga Losa, Gran Sometta, Bontadini, Colle del Prete, Colle di Gilba, Colle del Garezzo, La Norma, Col de la Met, Roche Madeleine, Mont Agnelet, Col de Furfande, Col de Vescal, Sommet Blayeul). Zielsetzung war von Anfang an die Herausgabe von Reiseliteratur, welche sich hauptsächlich auf die Alpen und Deutschland bezieht. Neben dem unübertroffenen Standardwerk "Großer Alpenstraßenführer", das sich an Lenker aller Fahrzeuggruppen wendet, erschienen im Denzel-Verlag auch die beliebten Motorrad-Touren-Bücher.
Zu den Spezialthemen des Verlages zählen sowohl asphaltierte Pass- und Panoramastraßen als auch abenteuerliche Schotterpisten im gesamten Alpengebiet; in Deutschland sind es die Schönheiten der Mittelgebirge sowie kulturelle Sehenswürdigkeiten. Sämtliche Strecken wurden von den Autoren Eduard und Harald Denzel selbst erkundet, was meist mit viel zeitlichem und finanziellem Aufwand (manchmal auch Materialschäden und Verletzungen) verbunden war. Durch die teilweise mühsamen Recherche-Arbeiten vorort konnten immer wieder neue, spektakuläre Strecken entdeckt werden. Viele Journalisten und Autoren benützen die Denzel-Werke als Leitfaden und Fundgrube.
Bei allen verlagseigenen Büchern legte Denzel Wert auf Aktualität und detaillierte Streckenbeschreibungen. Auf unzähligen Straßen und kuriosen Fahrwegen wurden Unmengen von Fakten (Verlauf, Beschaffenheit, Zustand, Steigungen/Gefälle etc.) gesammelt, fahrtechnische Schwierigkeiten erhoben, landschaftliche Beurteilungen durchgeführt und hunderte Fotos gemacht. So kann jeder für sein Fahrzeug geeignete Strecken finden und hat einen verlässlichen Helfer zur Hand.
Ehem. Militärsträßchen üben eine besondere Anziehungskraft auf Besitzer geländegängiger Fahrzeuge aus. Zum einen wurden sie angelegt um einst strategisch wichtige Orte wie Forts erreichen zu können; die Endpunkte bieten heute meist eine grandiose Aussicht für touristische Zwecke. Zum anderen strahlen diese Sträßchen bautechnisch einen besonderen Charme aus: sowohl bei Trassierungen in steile Hänge als auch im Bereich von Kehren wurden oft Stützmauern kunstvoll errichtet, den talseitigen Fahrbahnrand schützen manchmal sorgsam darüber verlegte Steinplatten. Durch festen Unterbau mit Natursteinen trotzten viele Militärfahrwege jahrzehntelang der rauen Witterung im Hochgebirge.
Verlagsfreunde und Benützer unterstützten den Verlag mit Hinweisen, welchen gewissenhaft nachgegangen wurde, und schicken Bilder, die stets dankbar entgegengenommen wurden. Um diese Flut von Informationen an die LeserInnen in übersichtlicher Form weiterzugeben, wurde für die Beschreibungen ein sachlicher Stil gewählt. Von persönlichen Erlebnisberichten und großformatigen Fotos, die Buchseiten schnell füllen, wurde aus Platzgründen Abstand genommen.
Auch in der Herstellung bemühte sich der Verlag um hohe Qualität. Hochmoderne Druckmaschinen gewährten bestmögliche Ergebnisse. Die Technik hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Die heutigen Maschinen sind unglaublich präzise und erlauben dabei enorme Produktionsgeschwindigkeiten. Wer im Druckbereich arbeitet, muss sich technisch stets weiterbilden und auch die Experten-Schulungen der Hersteller besuchen.
Die Farbabstimmung beim Druck nahm Harald Denzel sozusagen als Chefsache bei jeder Ausgabe selbst vor. Im Innenteil sollen Bilder und Kartenskizzen in kräftigen, sauberen und zugleich natürlichen Farben möglichst gut zur Geltung kommen. Speziell für jene Fotos, die man selbst in der Natur erlebt und geschossen hat, bekommt man einen besonders guten Blick. Die Erinnerung hilft die vorort erlangten Eindrücke zu Papier zu bringen. Für die Umschläge verwendete der Herausgeber gerne harmonisch kombinierte Schmuckfarben.
Papiersorten mit angenehmer Haptik wurden in passender Stärke ausgewählt. Bis man sich für eine Sorte entschieden hat, wanderten etliche Muster durch die Finger. Für den Innenteil wurden seidenmatte Papiere bevorzugt um Reflexionen, insbesondere bei den Fotos, zu vermeiden. Auch die Grammatur muss passen; zu dünnes Papier würde die Rückseite durchscheinen lassen. Nach dem Druck benötigen die Bogen eine Trockenzeit, ehe sie weiterverarbeitet werden können.
Schließlich gehen erfahrene Buchbinder ans Werk. Zunächst werden die Plano-Bogen in mehreren Arbeitsschritten gefalzt, seitlich gefräst und zusammengetragen. Auf einer Produktionsstraße entstehen die Buchblöcke. Vor- und Nachsatz werden geklebt, die Buchblöcke zuletzt in die Buchdecken eingehängt. Dann können die Bücher entweder in Papier eingeschlagen oder in Folien verschweißt und schließlich zu den gewünschten Stückzahlen in Kartons verpackt werden.
Bis zum fertigen Buch werden die verschiedensten Maschinen durchlaufen. Die Präzision und Geschwindigkeit ist beeindruckend. Aber auch handwerkliche Arbeit ist nach wie vor notwendig. Jahrelange Erfahrung kann durch nichts ersetzt werden. Solide Materialien wie extrem starke Klebstoffe sorgen für gute Haltbarkeit, denn die Bücher sollen strapazierbar sein und die LeserInnen an den Produkten lange Freude haben.
P R O D U K T I O N S - S T O P P !
Ende 2025 geht Harald Denzel in den Ruhestand. 42 Jahre lang hat er für den Buchverlag gearbeitet, davon 38 Jahre den Betrieb mit Freude und großer Leidenschaft geleitet. Die Firma wird mangels Nachfolger nicht mehr weitergeführt; zu speziell sind die erforderlichen Kenntnisse. Somit schließt der legendäre Denzel-Verlag nach 7 Jahrzehnten wohl für immer seine Pforten. An dieser Stelle möchte sich Harald Denzel ganz herzlich bei allen Mitarbeitern, Verlagsfreunden, Informanten und vor allem bei den LeserInnen bedanken! ...und vielleicht treffen wir uns einmal dort oben im Gebirge.